Karol Szymanowski, Sinfonien Nr. 2 und 3 (8.570721) – CD des Monats März 2008

Karol Szymanowski

CD des Monats
Karol Szymanowski – Sinfonien Nr. 2 und 3

Karol Szymanowski war zweifellos Polens herausragende Musik-Figur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Geboren am 6. Oktober 1882 in der heutigen Ukraine als Sohn einer wohlhabenden Kunst- und Musikinteressierten Familie des Landadels, erhielt Szymanowski seinen ersten Musikunterricht aufgrund einer langwierigen Beinverletzung auf dem heimischen Anwesen. Danach wurde er von seinem Onkel Gustav Neuhaus unterwiesen, der eine Musikschule in Elisavetgrad, dem heutigen Kirowograd leitete.

1901 ging Szymanowski nach Warschau und studierte dort bei Marek Zawirski Harmonielehre und bei Zygmunt Noskowski Kontrapunkt- und Kompositionslehre am dortigen Konservatorium. Innerhalb des russischen Imperiums war das Warschau jener Zeit allerdings lediglich Provinz, und seit Chopin war es keinem polnischen Komponisten mehr gelungen, die internationale Musikszene zu erobern. Doch Szymanowski gehörte einer Gruppe junger, begabter und ambitionierter polnischer Musiker an, die weit über den Tellerrand hinaus blickten. Bereits 1905 unternahm er gemeinsam mit Stanislaw Ignacy Witkiewicz seine erste Italienreise und gründete im selben Jahr mit Grzegorz Fitelberg, Ludomir Rozycki und Apolinary Szeluto mit Hilfe des Mäzens Wladyslaw Lubomirski die “Verlagsgenossenschaft junger polnischer Komponisten”, die sich der Verbreitung der Werke zeitgenössischer polnischer Komponisten widmete. Die Gruppe wurde schon bald darauf als “Junges Polen” bekannt, die Werke wurden 1906 in Warschau und Berlin uraufgeführt.

Auch Szymanowskis Sinfonie Nr. 2, die er 1910 vollendet hatte, wurde ein Jahr später in Warschau uraufgeführt, fand allerdings wenig Anklang beim dortigen Publikum. Die Besucher seiner Konzerte in Leipzig, Berlin und später auch Wien waren hingegen sehr angetan von der Sinfonie, die – wie sein gesamtes Werk vor dem 1. Weltkrieg – stark von Alexander Skrjabin beeinflusst war. In Wien beschäftigte sich Szymanowski mit dem Werk Debussys, Strawinskys und Ravels, doch seine Neugierde und die Suche nach Inspiration veranlassten seinen unruhigen Geist zu weiteren Reisen.

1914 brach er nach Italien auf, bereiste Sizilien und Nordafrika und landete schließlich über Rom und Paris in London, wo er Strawinsky traf.

Die Kriegsjahre verbringt er weitestgehend auf dem elterlichen Gut, wo er sich eingehend mit mediterraner und islamischer Geschichte und Kultur beschäftigt. Die Eindrücke seiner Reisen in den Mittelmeerraum und den Orient und diese Studien mündeten in eine Phase äußerster Kreativität, in der auch seine dritte Sinfonie Lied der Nacht auf Worte des persischen Sufi-Dichters Mevlana Dschelaleddin Rumi entstand, die Szymanowski 1916 vollendete. „…impressionistischer Farbenreichtum in Verbindung mit antiker, christlich-byzantinischer und orientalisch-mystischer Geisteshaltung…“ kennzeichnen diese Schaffensphase. „ Freie Handhabung der Harmonik, die sich mitunter der Grenze der tonalen Bindung nähert, dicht verflochtene Artikulationen, quasi improvisatorische Entwicklung der Form, raffinierte Orchestrierung, jugendstilhafte Ornamentik und expressive Melodik als Keimzelle der musikalischen Erfindung sind die Ingredienzien von Szymanowskis ganz persönlicher Klangsprache, die nun zur vollen Entfaltung kommt.“ (Peter T. Köster)

Szymanowskis Verdienst für die Musik besteht in seinem herausragenden Talent zur Synthese. Er verschmolz in seinem Werk verschiedene musikalische Kulturen und Stile zu seinem ganz eigenen Gepräge und fand so eine in die Zukunft gerichtete musikalische Mitteilungsform. Szymanowski starb im Alter von nur 54 Jahren in einem Sanatorium in Lausanne.

Antoni Witt, Chefdirigent der Warschauer Philharmoniker und selbst Schüler des berühmten polnischen Komponisten Krzysztof Penderecki, erfasst den individuellen Stil, die Tiefe und den Weitblick in Szymanowskis Kompositionen. Die Warschauer Philharmoniker, die als polnisches Nationalorchester auf das epochenübergreifende musikalische Werk Polens spezialisiert sind, geben Szymanowskis Sinfonien eine nationale Authentizität.

Szymanowski, Sinfonien 2 & 3